Schulzeitenkonzept

Das Schulzeitenkonzept am Heinrich-Heine-Gymnasium

0. Einleitung

Das traditionelle Verständnis von Unterricht und schulischem Lernen bezieht sich die Zeit, in der vom Lehrer geleiteter Unterricht verläuft. Alle Abweichungen von dieser Situation werden als defizitär betrachtet (z.B. Unterrichtsausfall, Vertretungsunterricht usw.).

Schulisches Lernen, das sich an einem entwickelten Begriff von Bildung orientiert (siehe Bil-dungsverständnis des Schulprogramms des HHG) darf aber nicht von einer derart verkürzten Betrachtungsweise ausgehen. Wenngleich der vom Lehrer geleitete Unterricht im Zentrum schulischen Lernens steht, so erfordern erfolgreiche Lernprozesse ein Lernarrangement dass neben dieser klassischen Unterrichtszeit den Schülerinnen und Schülern umfassendere Möglichkeiten bietet, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren bzw. sich von anderen Schü-lerinnen und Schülern dabei unterstützen zu lassen (tutoriell organisiertes Lernen). Dieses Arrangement nennen wir am HHG Lernzeit.

Darüber hinaus ist Schule mehr als nur ein Ort, an dem ausschließlich gelernt wird. Pausen dürfen nicht als notwendiges Übel angesehen werden, sondern müssen als ein wichtiges Element der unverzichtbaren Erholungszeit reflektiert und gestaltet werden.

Zunehmend größere Beutung kommt der Beratungszeit zu. Der steigende Grad an Stan-dardisierung und Formalisierung von Ausbildungsprozessen und Leistungsüberprüfungen erfordert es, den einzelnen und seinen individuellen Lebensweg stärker im Auge zu behal-ten. Der Aufbau eines Beratungsnetzwerks am HHG soll sicherstellen, dass jeder Einzelne die vom ihm benötigte Beratung erhält, gleichzeitig aber der Vielschichtigkeit vieler Problem-lagen im schulischen Bereich Rechnung getragen werden kann.

Lernzeiten

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1. Lernzeit

Das Schulzeitkonzept unterscheidet drei Zeitbereiche: Lernzeit, Beratungszeit, Erholungs-zeit.

Die Lernzeit gliedert sich auf in:

  • Lehrer geleitet
  • selbstständig
  • tutoriell organisiert (Schülertutoren, z.B. Lernpaten)

Die selbstständige Lernzeit unterscheidet Zeiten selbstständigen Lernens, die sich einerseits auf den aktuellen Unterrichtsprozess bezogen sind und eher kurzfristig zu erledigen sind (kurzfristige Aufgaben), andererseits aber auch auf längerfristige Aufgabenstellungen zielen (längerfristige Aufgaben).

1.1. Lehrer geleitet

Der Lehrer geleitete Unterricht findet in aller Regel als Fachunterricht statt. Er wird unter An-wendung unterschiedlicher methodischer Konzepte und Sozialformen in Lehrgangs- wie in Projektform durchgeführt.

Förderunterricht findet sowohl als Klassenunterricht als auch in kleineren Gruppen statt. Die Gestaltung dieses Unterrichts wird durch das Förderkonzept des HHG festgelegt.

Lehrer geleitetes Lernen erfolgt auch außerhalb der Schule in Form von Exkursionen, Unter-richtsgängen, Klassen- und Studienfahrten(Lernen am anderen Ort).

1.2. Selbstständig

1.2.1. Kurzfristige Aufgaben

1.2.1.1. LEA

Die Abkürzung LEA steht für „Lehrer erteilt Aufgaben". Die Form selbstständigen Lernens grenzt sich von SOL („Selbst organisiertes Lernen") ab. Beide Lernzeiten stehen den Schü-lern zur Verfügung, wenn der planmäßige Unterricht aufgrund einer Verhinderung der Lehr-kraft nicht erteilt werden kann. In diesem Falle bearbeiten die Schüler Aufgaben, die von der Lehrkraft vorbereitet worden sind.

1.2.1.2. Hausaufgaben

(siehe Hausaufgabenkonzept)

1.2.1.3. Studientag

Ein Studientag findet in den Fällen statt, in denen das gesamte Kollegium durch andere Auf-gaben verhindert ist. Die Schüler erhalten umfangreichere Aufgaben zur selbstständigen Bearbeitung.

1.2.1.4. Silentium

Das Silentium ist keine Hausaufgabenbetreuung. Die Aufsicht führende Lehrkraft sorgt aus-schließlich für die Einhaltung eines entsprechenden Ordnungsrahmens. Die Anordnung, für eine bestimmte Zeit am Silentium teilzunehmen, erfolgt durch den Klassen- bzw. Fachlehrer. Die Teilnahme ist für den Schüler verpflichtend.

Das Silentium ist eine pädagogische Maßnahme. Sie soll dem Schüler einerseits die Einsicht vermitteln, regelmäßig seinen Verpflichtungen zu selbstständiger häuslicher Aufgabenerfül-lung nachzukommen, anderseits aber auch die Erfahrung ungestörten ruhigen Arbeitens ermöglichen.

1.2.2. Längerfristige Aufgaben

1.2.2.1. Planarbeit

Jede Klasse erhält zu Beginn eines Schulhalbjahres einen Arbeitsauftrag, der bis zum Ende des Halbjahres in selbstständiger und selbst organisierter Arbeit zu erledigen ist (Halbjah-resplan). Die Regeln für diese Planarbeit legen die jeweiligen Fachkonferenzen fest.

1.2.2.2. Arbeitsstunden/ Selbstorganisiertes Lernen (SOL)

Den Schülern stehen verschiedene Zeitressourcen für selbst organisiertes Lernen zur Verfü-gung. Hierzu zählen außer der häuslichen Arbeitszeit die Selbstlernbetreuung, im Stunden-plan festgelegte Arbeitsstunden, SOL-Stunden (Stunden, in denen planmäßiger Unterricht nicht erteilt werden kann und keine speziellen Arbeitsaufträge – siehe LEA – vorliegen)

1.3. Tutoriell organisiert

Die tutorielle Betreuung von Schülern erfolgt am HHG durch besonders geschulte Schüler (Gruppenleiter und Lernpaten)

1.3.1. Selbstlernbetreuung

In der Selbstlernbetreuung erhält der Schüler die Möglichkeit, seine Aufgaben in ruhiger At-mosphäre und unter Anleitung ausgebildeter Oberstufenschüler zu erledigen. Die Teilnahme an der Selbstlernbetreuung ist mit einem geringen Kostenbeitrag verbunden.

1.3.2. Nachhilfe

Nachhilfeangebote für Einzel- und Gruppennachhilfe werden am HHG durch Lernpaten or-ganisiert. Lernpaten sind besonders qualifizierte Schüler, die von damit beauftragten Lehr-kräften ausgewählt und angeleitet werden.

2. Beratungszeit

Beratung erhält im Schulbereich immer größere Bedeutung und erfordert immer größere zeit-liche Ressourcen, die eine inhaltliche und strukturelle Koordination untereinander und mit den anderen Bereichen des schulischen Alltags unverzichtbar macht. Aus diesem Grunde wird am HHG ein Beratungsnetzwerk entwickelt (siehe Anlagen). Das Schulzeitkonzept un-terscheidet grundsätzlich zwei Bereiche: Obligatorische und fakultative Beratungsanlässe.

2.1.2. Obligatorische Beratung

Zu den obligatorischen Beratungsanlässen gehören die Beratungen zu Schullaufbahnen und Leistungen. Im Rahmen des Förderkonzeptes des HHG werden diese Beratungsanlässe durch das „Choaching" ergänzt. Schüler mit Leistungsdefiziten werden von Lehrer-Choaches in ihren Lernprozessen unmittelbar betreut, indem sie zeitnah und intensiv beraten werden.

2.1.3. Fakultative Beratung

Schulische und persönliche Probleme stehen häufig in einem unmittelbaren Zusammenhang. In aller Regel ist es wichtig, in diesen Fällen schnell zu reagieren. Durch das Beratungsnetz-werkes am HHG steht nicht nur ein „Frühwarnsystem" zur Verfügung. Schüler und Eltern erhalten auch die Möglichkeit, sich mit ihren Problemen direkt an eine Beratungsperson ihres Vertrauens zu wenden.

3. Erholungszeit

Im Zusammenhang des Aufbaus des gebundenen Ganztags erfährt die Dimension „Erho-lung/ Entspannung" ein besonderes Gewicht. Hier spielt die Gestaltung der Mittagspause eine große Rolle (siehe Ganztagskonzept)