Abitur

Abitur-Rede 2017 Empfehlung

Als Schulleiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums begrüße ich alle Anwesenden sehr herzlich zur feierlichen Entlassung der Abiturientia 2017.

In besonderem Maße begrüße ich natürlich Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, die Hauptpersonen dieses Tages.

Seien Sie herzlich begrüßt, liebe Eltern. Sie, die Sie Ihren Kindern den Weg zur Reifeprüfung eröffnet und immer wieder frei geräumt haben, deren Liebe und Verständnis, aber auch Leidensfähigkeit das Fundament für den schulischen Erfolg unserer Abiturientinnen und Abiturienten geschaffen haben.

Einen herzlichen Gruß auch an Sie, liebe Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mit Ihrem Engagement zum Gelingen dieser Feier beitragen und hoffe, dass Sie durch die Teilnahme an dieser feierlichen Verabschiedung zu ähnlich guten Leistungen inspiriert und motiviert werden.

Nicht zuletzt möchte ich meine Kolleginnen und Kollegen und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufs Herzlichste begrüßen, die Sie mit Herz und Verstand den Grundstein für das erfolgreiche Abschneiden unserer Abiturientia gelegt haben.

76 Schülerinnen und Schülern sind zum Abitur zugelassen worden, davon haben 74 das Abitur erreicht, das ist ein wirklich guter Schnitt. Letztlich tut es uns um jeden leid, der die Abiturprüfung nicht schafft. Aber es liegt in der Natur von Prüfungen, dass dieses immer wieder passiert.

  • Wir haben 17 Mal die Note „Eins Komma“, darunter sogar einmal 1,0 mit 823 Punkten.
  • Dazu kommen 26 Noten „Zwei Komma“, auch das ist ein respektables Ergebnis.

Mit einer “1” vor dem Komma haben folgende Schülerinnen und Schüler bestanden:

Lea Amina Kalayci, Sie haben als Jahrgangsbeste die Note 1,0 und 823 von 900 möglichen Punkten erreicht.

Mit einer 1,1 hat Isabel Reckermann das Abitur bestanden und zwar mit sehr guten 807 Punkten.

1,2: diese Note findet sich auf den Zeugnissen von Karen Elias und Klara Wyrobeck

Mit der Note 1,3 beendet Meret Willing ihre Gymnasialzeit.

Lukas Westermann erreicht eine 1,5.

Sarah Böseler, Anika Keil, Niklas Nitsch, Esther Reichmann und Ben Scherer erreichen eine 1,6.

Für das Erreichen der Note 1,7 gratulieren wir herzlich Melina Dobelmann, René Ocklenburg, Joel Ramon Prior und Kilian Stahlhut.

Last not least. Mit 1,9 erreichen Kristina Siebert und Katharina Wierzba ein hervorragendes Ergebnis.

An dieser Stelle noch einmal allen, die das Abitur bestanden haben, einen herzlichen Glückwunsch

Ihre Stufe hat bei uns allen einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Das bezieht sich keineswegs nur auf Ihre unterrichtlichen Leistungen, sondern auch auf deutliches Engagement für unsere Schule. Nicht nur in der SV haben Ihre Vertreterinnen und Vertreter engagiert mitgearbeitet, Sie haben sich auch in den verschiedenen Gremien für die Entwicklung unserer Schule eingesetzt. Allen im Gedächtnis bleiben wird auch die Gestaltung der Mottowoche, die nicht nur Ihren eigenen Spaß, sondern auch den der gesamten Schulgemeinschaft im Auge hatte.

Lassen Sie uns nun noch einen kurzen Blick in Ihre Zukunft werfen:

Postfaktische Zeiten, alternative Fakten und Informationsblasen - mit diesen Begriffen sind Sie zwar nicht groß geworden, sie prägen aber ein Zeitalter, in dem Sie eine wichtige Phase Ihres Lebens durchschreiten. Markiert doch das Abitur ihren Übergang aus dem behüteten Raum der Schule und schulischen Lernens hin zu einer Phase, die Sie vorbereiten soll auf die Führungsaufgaben in unserer Gesellschaft. Das Abitur als höchster Bildungsabschluss der Bundesrepublik Deutschland eröffnet Ihnen Türen zu einem Leben, das eine Reihe von Privilegien bietet, das aber auch die Übernahme von Verantwortung von Ihnen verlangt.

Unsere Gesellschaft hat sich entschlossen, in Sie eine stattliche Summe Geldes zu investieren, damit Sie in nicht ganz so ferner Zukunft führende Rollen in unserem Gemeinwesen übernehmen können. Dieser Weg wird kein leichter sein, aber letztlich werden die meisten von Ihnen in Positionen landen, die einerseits Ihren Intellekt fordern, andererseits aber auch hohe Ansprüche an Ihre Persönlichkeit stellen wird. Und wir Älteren hoffen, dass Sie Ihre vielfältigen Aufgaben in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft gut erfüllen, wir älteren geben den Staffelstab gewissermaßen an Sie weiter und die zentrale Aufgabe in unserer demokratischen Gesellschaft wird es weiterhin sein, unsere Freiheit zu sicherzustellen

Ich muss leider zugeben, dass ich mich als jemand, der politisch und historisch nicht gänzlich uninteressiert ist, in den letzten Jahren häufiger mit Blick auf die Entwicklung unserer Welt geirrt habe. Weder hatte ich damit gerechnet, dass die Mauer zwischen den beiden ehemaligen deutschen Staat jemals fallen würde, noch hatte ich kommen sehen, dass der Kalte Krieg beendet werden würde. Auch war ich blauäugig davon ausgegangen, dass die Menschen in unserer Gesellschaft die Lehren aus der Zeit des Nationalsozialismus gezogen hätten und das Problem von Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus in unserer Gesellschaft nicht mehr auftreten würde. Und letztlich war ich der festen Überzeugung, dass wir nie wieder in eine Situation geraten würden, in der wir die Demokratie in unserem Lande verteidigen müssen.

Aber wie die Realität nicht nur in unserem Lande zeigt, werden Sie, liebe Abiturienten und Abiturienten, nötiger denn je gebraucht. Nicht nur für die Sicherstellung der Produktivität unserer Wirtschaft, sondern zur langfristigen Sicherung von Demokratie, Toleranz und Freiheit in unserer Gesellschaft. Sie sind in den vergangenen Jahren auf dem Weg zu Ihrem Abitur darauf vorbereitet worden, wissenschaftlich zu denken, gesellschaftliche Zusammenhänge zu durchschauen, Fakten von Ideologien unterscheiden zu können. Die hohe Wertschätzung von Vielfalt an unserer Schule, das tägliche Umgehen mit Heterogenität und Meinungsvielfalt wird die meisten von Ihnen, das ist meine feste Überzeugung, kompetent gemacht haben, sich der Manipulation zu widersetzen, Lügen zu entlarven und darauf zu bestehen, der Welt einen eigenen und kritischen Geist entgegen zu setzen. Wir werden Sie gleich mit der Aushändigung ihrer Abiturzeugnisse in der Hoffnung entlassen, dass Sie auf das, was vor Ihnen liegt, in jeder Hinsicht gut vorbereitet sind und auch im postfaktischen Zeiten erkennen können, was wahr und was falsch ist, wer sie belügen will und mit welchen Mitteln er das versucht.

Die Verhinderung von Manipulation kann niemals im Sinne einer Gegenmanipulation letztlich erfolgreich sein, sondern basiert einzig und allein darauf, die Menschen in die Lage zu versetzen, sich zu bilden und ihre Bereitschaft zu fördern, dieses mit Nachdruck zu tun. Ich hoffe, auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, dass unsere Schule dieser Aufgabe gewachsen war und Sie auch für unsere postfaktischen Zeiten entsprechend gut ausgestattet hat.

Und lassen Sie mich noch einen letzten Gedanken in diesem Zusammenhang formulieren: Das Zeugnis, das Ihnen gleich übergeben werden wird, bescheinigt Ihnen ihre Kompetenzen, die sie im Verlauf der letzten Jahre an unserer Schule erworben haben. Was sie mit diesen Kompetenzen in Zukunft anfangen wollen, unterliegt allerdings ausschließlich Ihrem freien Willen. Sie werden eine Menge an Entscheidungen treffen müssen und ich kann ihn auf der Basis meiner ganz persönlichen Erfahrung versichern, dass viele dieser Entscheidungen für Sie richtig sein werden, es aber auch eine ganze Anzahl von Entscheidungen gibt, die sich als falsch oder nachteilig erweisen.

Ich wünsche Ihnen, dass sie in der Lage sind, auch angesichts dieser Gewissheit, entscheidungsfreudig ihren Lebensweg zu gehen und ihr Glück finden. Nutzen Sie ihren freien Willen und verhindern Sie, dass intelligente Suchmaschinen für Sie entscheiden, zu welchen Informationen Sie Zugang erhalten und zu welchen nicht. Befreien Sie sich aus den Informationsblasen und übernehmen Sie ihren Teil der Verantwortung dafür, dass Ihr privates Glück und unsere gesellschaftliche Freiheit eng verbunden sind.

In diesem Sinne:

Zu Ihrem bestandenen Abitur meine allerherzlichsten Glückwünsche. Halten Sie Ihrer alten Schule gedanklich die Treue und seien Sie versichert, dass Sie jederzeit herzlich willkommen sind und wir uns sehr freuen würden, Sie zu dem einen oder anderen Anlass wieder treffen zu können.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien heute und in Zukunft Gesundheit und Zufriedenheit, Glück und Erfolg!