Begabtenförderung

Erfahrungsbericht Juniorakademie 2016 Empfehlung

Diesen Sommer, genau genommen vom 03. bis zum 13. August, hatte ich die Gelegenheit an der Juniorakademie NRW teilzunehmen. Darunter versteht sich eine 10 tägige Studienzeit welche durch das Landesministerium für Schule und Weitebildung für besonders leistungsfähige und motivierte Schüler der Jahrgangsstufen 8 und 9 angeboten wird.

Insgesamt gibt es in NRW drei Juniorakademien an den Standorten Jülich, an welcher die Kurse Forensik, Nanotechnologie und Micro Controller angeboten wurden, die englischsprachige Akademie in Ostbevern, welche komplett von einem Team aus britischen Forschern geleitet wurde, mit einem Kursangebot von „Biomimicry“, „Nanotchnology“ sowie „Investigating the physikal universe“ und zuletzt dem Standort Königswinter, welchen ich besuchte.

Untergebracht waren wir im CJD Christophorusschule und zur Auswahl standen die Kurse Astrophysik, Molekulare Biomedizin als auch Forensik, an dem ich teilnahm.

Breits im Voraus wurde im Internet ein Forum eingerichtet, in welchem sich Teilnehmer sowie Kursleiter untereinander kennenlernen, austauschen und bereits erste Angelegenheiten organisieren konnten. So bereitete jeder im Forensik Kurs ein kurzes Referat zu Spezialthemen vor, welche wir selbst wählen konnten. Mein Vortrag behandelte die Psychologie hinter einem Verbrechen und das finden solcher Tatmotive. Auch wurden die ersten KüAs (kurz für kursübergreifende Angebote) organisiert, welche von Teilnehmern angeboten wurden, und u.a. Sport- und Gesellschaftsspiele oder Fremdsprachenkurse beinhalteten, hier bereits auf die Beine gestellt.

Die Eröffnungsveranstaltung fand in der Aula des CJDs statt, welche eher einem Konzertsaal ähnelte. Die Akademieleitung und die jeweiligen Kursleiter stellten sich vor und erläuterten den überraschend eng gestrickten Zeitplan. Dieser fing an mit Frühsport um 6:30 (immerhin freiwillig) und endete mit zwei KüA Schienen um 22:00. Immerhin, eine Freizeit von 15:55 bis 16:00 wurde uns freundlicherweise zugestanden. Es gab zwischen den beiden Kurs-schienen von 09:00 bis 12:30 und 16:00 bis 18:00 sowohl Sport Angebote als auch einen Akademie-Chor sowie ein Orchester und ein Vokalensemble für die musikalischeren Teilnehmer. Die ganze Akademie stand unter dem Motto: „Die Akademie ist was du aus ihr machst!“ was nachträglich wirklich so zu verstehen war, schließlich war die Teilnahme an jeglichem Programm außerhalb der Kursblöcke freiwillig und fast komplett frei von den Teilnehmern gestaltbar. So kam z. B., in Vorbereitung auf die Abschlussdisko am letzten Abend, ein Tanzkurs als KüA Angebot zustande, der nahezu von allen besucht wurde, wodurch besagte Disko am nächsten Abend deutlich belebter und stimmungsvoller als erwartet ausfiel.

Die Kursangebote an sich übertrafen sogar meine Erwartungen deutlich, selbst unter Auslassung der eigentlichen Höhepunkte des Forensik-Kurses, auf die ich später zu sprechen komme. Während wir am Ankunftstag fast ausschließlich die vorbereiteten Referate hörten, was deutlich länger als geplant dauerte, da einige den vorgegebenen Rahmen von ca. 20 min deutlich sprengten, starteten wir auch schon mit unserem Haupt Projekt: Unserer kurseigenen Body-Farm. Zur Erklärung: eine Body-Farm ist eine Untersuchungsmethode zur Beobachtung des Verwesungsprozesses von Leichen. Da wir aus naheliegenden Gründen keine menschlichen Leichen untersuchen konnten, beschränkten wir uns auf bereits tote Ratten. Diese beobachteten wir über den gesamten Akademieaufenthalt und notierten den Verlauf der Verwesung. Entscheidend war die Art der Verwesung. So präparierten wir die Ratten am ersten Tag z.B. als Wasser- oder Brandleiche, wieder andere wurden vergraben oder luftdicht abgeschlossen und eine sogar aufgehängt, was zu einem besonders grotesken Anblick führte. So ließen sich nach 8 Tagen deutliche Unterschiede feststellen.

Am zweiten Tag begannen wir in Expertengruppen eigene Kriminalfälle zu entwickeln. Dabei konzentrierte sich jede Gruppe auf eine andere Ermittlungs- und Überführungsmethode (zum Beispiel Fingerabdrücke, Tintenanalyse oder Blutspuren). Nachdem wir uns mit unseren jeweiligen Themen beschäftigt hatten, entwickelten wir ein Szenario bei dem unsere Ermittlungsmethode zu Einsatz kam, um ihn zu lösen. Die anderen Gruppen mussten diesen nach einer Erklärung der Methode innerhalb eines bestimmten Zeitfensters lösen, d.h. den Täter finden oder den Tathergang rekonstruieren.

Am sechsten Tag fand der „Tag der Rotation“ statt, bei dem jeder Kurs seine bisherigen Ergebnisse den anderen Kursen vorstellte.

Danach folgte bereits das erste bereits angesprochene Highlight in Form des Besuches der Psychologin Lydia Benecke, mit der wir, nach einem sehr interessanten Vortrag über ihre eigenen Arbeitserfahrungen mit Psychopaten, ermittelten, zu welchem Maß der aus „Harry Potter“ bekannte Lord Voldemort ein Psychopath ist. Nach einer hitzigen Diskussion kamen wir zum Ergebnis, dass er dies zu 77% ist (als Referenzwert: der Durchschnittswert eines amerikanischen Mannes liegt bei unter 5%, für Deutschland liegen keine diesbezüglichen Studien vor).

Einige Tage später kam der berühmte Forensiker Mark Benecke, was zugleich den eigentlichen Höhepunkt der Akademie als auch das Ende der Body-farm bedeutete. Nachdem er vor der ganzen Akademie in der Aula einen Vortrag über das von uns ausgewählte Thema DNA Analyse gehalten hatte, besuchten wir als Forensik Kurs mit ihm die Body-Farm, von der er sich beeindruckt zeigte. Er erklärte uns, wie man anhand des Geruchs Leichen finden und sogar die Leichenart bestimmen könne. Bei der Geruchsprobe an den Ratten zeigten sich aber sowohl die Kursleiter als auch die meisten Teilnehmer etwas zurückhaltend. Sowohl er als auch viele seiner Ansichten ließen sich wohl am besten mit dem Wort „speziell“ beschreiben wobei vieles was er sagte bei genauerer Überlegung tatsächlich sinnvoll erscheint.

Nach diesen großen Höhepunkten der Kurs Aktivitäten Beschäftigten wir uns noch mit der Isolierung unserer eigenen DNA. Bei diesem Versuch gurgelten wir Salzwasser und mischten dies anschließend in einem Becherglas mit Spülmittel und destilliertem Wasser. Diese Mischung wurde verrührt und
anschließend wurden 2-3ml des Filtrats mit einigen Körnchen Feinwaschmittel versetzt. Nach einigem Schütteln wurde die Mischung mit Ethanol überschichtet. Dabei bildet sich eine Grenzfläche zwischen Ethanol und Wasser aus welcher die sich absetzende DNA entnommen werden kann. Ich gehörte zu
den wenigen bei denen dieser Versuch beim ersten Mal funktionierte, andere mussten ihn bis zu acht Mal wiederholen. Die in eine kleine Phiole gefüllte DNA dient als schönes Andenken an die Zeit auf der Akademie.

Bei der Abschlusszeremonie trat der Akademiechor (obwohl der freiwillig war, hier machten ALLE mit) sowie alle anderen musikalischen Gruppen, die sich in den 10 Tagen gebildet hatten (hier nur die tatsächlich musikalisch begabten). Es wurden die Ergebnisse der einzelnen Kurse präsentiert wobei das
Format frei wählbar war. So veranstalteten die Biomediziner ein Quiz mit Einbezug des Publikums, die Astrophysiker eine prezi Präsentation und wir Forensiker einen Sketch mit einer Powerpoint Präsentation im Hintergrund. Abschließend erhielt jeder persönlich eine Urkunde und es flossen einige Tränen.

Rückblickend war die Juniorakademie eine echt positive Erfahrung mit endlich mal spannenden Themen, einem für mich angemessen schnellen Lerntempo und wirklich aufgeschlossenen entspannten Menschen, was sowohl Teilnehmer als auch die Kurs- und Akademieleitung mit einschließt. Ich kann also allen, die die Chance dazu bekommen sollten, einmal an einer solchen Akademie teilzunehmen nur empfehlen:

Ergreift sie! Sie kommt nicht noch einmal und es lohnt sich!!!

Niklas Boldt / Dortmund, 27.09.2016

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